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Mobilmachung-Zeitungsausschnitt

Der Weierhof im Ersten Weltkrieg

Kriegsbeginn

Am Tag der Mobilmachung läuft oder fährt man mit der Kutsche die gut zwei Kilometer zum Marnheimer Bahnhof. Vorwiegend Frauen verabschieden die Soldaten, die in Eisenbahngüterwagons zunächst in die Kasernen oder Sammelstellen einberufen werden.

Unter den Weierhöfern gibt es Soldaten, die bereits vor dem Krieg im Militär sind. Sie werden direkt in Kampfeinheiten an der Front eingesetzt. Andere, wie Albert, beginnen nun ihre militärische Grundausbildung. Am Anfang des Krieges tragen die Soldaten noch die traditionelle Pickelhaube mit Spitze, die für das deutsche Militär charakteristisch ist. Doch bis Ende 1916 werden sie aus praktischen Gründen durch den deutlich mehr Schutz bietenden Stahlhelm ersetzt.

Bei der Mobilmachung am Bahnhof Marnheim (August 1914)
Bei der Mobilmachung am Bahnhof Marnheim (August 1914)
Mobilmachung Bahnhof Marnheim (August 1914)
Mobilmachung Bahnhof Marnheim (August 1914)

Es herrscht Kriegsbegeisterung in Deutschland. Die Worte Kaiser Wilhelms II. in seiner Kriegserklärung hallen durch das Land: „Es muss denn das Schwert nun entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf! Zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande.“ Diese feierliche Proklamation stößt auch bei vielen Menschen auf dem Weierhof auf Zustimmung. Für sie bedeutet der Krieg die notwendige Verteidigung der deutschen Kultur und Zivilisation gegen feindliche Mächte, die das Deutsche Reich umzingelt und zum Kampf gezwungen hätten.

Hilda Göbel schreibt am 9. November 1914 an ihren Cousin Otto März – nicht ahnend, dass er bereits zwei Tage zuvor gefallen war:

Was müsst Ihr viel ertragen, Ihr Armen! Und doch immer weiter und drauf. Wir bewundern Euch und sind Euch unendlich dankbar, dass Ihr unser Vaterland so treu schützt und verteidigt. Haltet aus im Sturmgebraus! Ja haltet aus! Wie stolz könnt Ihr sein, wenn Ihr als Sieger heimkehrt! Und der den die Kugel ins Herz getroffen, der hat den Trost: Er starb den schönsten Tod. Wer weiß, wie wir mal sterben müssen, einmal muss es ja sein. Ihr, die Ihr wiederkommt, Ihr werdet was erzählen können!

Kriegsalltag im Dorf

Wie veränderte der Krieg das Leben auf dem Weierhof?

Die einschneidendste Veränderung ist sicherlich, dass jede Familie mindestens einen Sohn oder Ehemann im Krieg hat; in einigen Fällen werden sogar zwei oder drei Männer einer Familie einberufen. Auf den Höfen fehlen also die Arbeitskräfte. Spätestens ab 1915 werden dann Kriegsgefangene in der Landwirtschaft eingesetzt. In der Pfalz bestehen in den Festungsstädten Germersheim und Landau große Kriegsgefangenenlager. Während in Landau hauptsächlich französische Soldaten interniert sind, befinden sich in Germersheim vorwiegend russische Kriegsgefangene. Es entstanden vielerorts kleinere Gefangenenlager, für deren Bewachung dann örtlichen Polizeikräften verantwortlich waren.

Deutsche Urlauber und gefange Russen in der Ernte (ca. 1915)
Deutsche Urlauber und gefange Russen in der Ernte (ca. 1915)

Albert schreibt dazu in einem Tagebuch pragmatisch und verkürzend über die russischen Kriegsgefangenen, die auf dem väterlichen Hof Zwangsarbeit leisten: „Noch erwähnen muss ich, dass ich mit unseren neuen Arbeitskräften, den gefangenen Russen, sehr zufrieden war, sie sind willig und unermüdlich. Die meisten freuen sich über unsere Siege im Osten, da sie die baldige Heimkehr daran knüpfen.“

Gefangene Russen auf dem Weierhof (ca. 1915)
Gefangene Russen auf dem Weierhof (ca. 1915)
Gefangene Franzosen auf dem Weierhof (ca. 1915)
Gefangene Franzosen auf dem Weierhof (ca. 1915)

Sicherlich übernehmen nun auch die Frauen viele Aufgaben auf den Höfen, die zuvor den Männern vorbehalten waren oder leisten ihren „Dienst für das Vaterland an der Heimatfront“. Einige Weierhöferinnen arbeiten als Freiwillige in einem Heimatlazarett im 15 km entfernten Ramsen. Heimatlazarette, die übergangsweise in öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Gasthäusern eingerichtet sind, bieten eine Unterkunft für meist weniger schwerverletzte Soldaten oder solche, die während des Heimaturlaubs erkranken.

Heimatlazarett Ramsen, links stehend: Else Löwenberg, links sitzend: Thilde Neff (ca. 1915)
Heimatlazarett Ramsen, links stehend: Else Löwenberg, links sitzend: Thilde Neff (ca. 1915)
Heimatlazarett Ramsen (20. Juli 1915)
Heimatlazarett Ramsen (20. Juli 1915)

Infolge der zunehmenden Knappheit an Nahrungsmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs führt die Regierung Lebensmittelrationierungen und die damit verbundene Ausgabe von Lebensmittelkarten ein. Butter, Fleisch, Brot und Zucker werden streng rationiert und sind teuer. Die Selbstversorgung auf dem Weierhof ist weitgehend durch die eigenen Gärten und landwirtschaftlichen Betriebe gesichert. Die Rationierung von Kraft- und Brennstoffen sowie Textilien bekommt man sicherlich zu spüren.

Sprengstücke von Fliegerbomben (ca. 1917)
Sprengstücke von Fliegerbomben (ca. 1917)

Auf dem Weierhof selbst, findet kein unmittelbares Kriegsgeschehen statt, da die Westfront relativ weit entfernt, entlang der Linie Ostende–Reims–Metz–Straßburg➚ verläuft. Zwischen 1915 und 1918 bombardieren französische Flugzeuge die BASF in Ludwigshafen; dabei werden auch Wohnhäuser getroffen und es gibt Todesopfer. Diese Angriffe werden auf dem Weierhof intensiv wahrgenommen und lebhaft diskutiert – nicht zuletzt, da es familiäre Verbindungen nach Ludwigshafen gibt. Postkarten mit Bildern zeigen die Bombensplitter und Schulaufsätze➚ die untereinander geteilt werden, berichten über die Ereignisse.

Kriegsalltag in der Realanstalt am Donnersberg

Das Dorf ist mit der benachbarten Schule eng verbunden. Einige Schüler und Lehrer leben auf dem Weierhof und sind Mitglieder der Mennonitengemeinde.

In der Schule sind die Kriegsbegeisterung und die Treue zum Kaiserreich allgegenwärtig. Pflichtgefühl und die Freude zur Opferbereitschaft für das deutsche Vaterland sind Teil der Schulerziehung.
In den Jahresberichten für die Schuljahre werden die gefallenen ehemaligen Schüler mit Nachruf und Bild abgebildet. Lehrer werden eingezogen und müssen ersetzt werden. Die Schüler sind wohl meistens Teil der Jugendwehr, einer paramilitärischen Organisation, die militärähnliche Übungen, Waffentraining und „körperliche Ertüchtigung“ durchführt. Auch wenn die Teilnahme offiziell freiwillig ist, wird sie vom Realschüler erwartet und gilt als patriotisch und ehrenhaft.

Jahresbericht der Realanstalt am Donnersberg für das Schuljahr 1914/15
Jahresbericht der Realanstalt am Donnersberg für das Schuljahr 1914/15
Schüler der Realanstalt auf dem Schillerhain, Donnersberg (ca. 1914)
Schüler der Realanstalt auf dem Schillerhain, Donnersberg (ca. 1914)

Die Schule beteiligt sich an der Verpflegung der durchfahrenden Truppen am Bahnhof im nahen Marnheim. Am Eingang zur Anstalt gibt es eine Kriegstafel, die die wichtigsten Ereignisse mit Bildern, Karten und Kriegsgegenständen dokumentiert. Bei den sogenannten Vaterländische Feiern mit patriotischen Reden, Liedern, Gedichten und Theateraufführungen, feiert die Schulgemeinschaft die Ideale des Kaiserreiches und zeigt ihre Solidarität mit den Soldaten an der Front. 

Die freiwilligen Eintrittsgelder sowie andere Spendenaktionen der Schüler während des Schuljahres kommen beispielsweise „notleidenden Auslandsdeutschen“ oder der „Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen“ zugute. Die Hauswirtschaft der Schule baut auf der Fläche um das „große Spielfeld“ Gemüse und Getreide an, hat aber „wohl manchmal ihre Not, wenn kein Benzin und kein Benzol für das Wasserpumpenwerk zu bekommen war, wenn der gewohnte Morgenkaffee und manch anderes ersetzt werden musste: aber was bedeutet dies alles gegen das, was für uns von anderen geleistet und entbehrt worden ist!“

Alfons Zeileis (1887–1963) tritt im Sommer 1916 eine Stelle als Zeichenlehrer an der Weierhöfer Schule an. Das Video gibt einen Einblick in den Schulalltag und die Versorgungslage während der Kriegsjahre.

Heimaturlaub

Das soziale Leben auf dem Weierhof ist durch den Krieg geprägt. In der Weierhöfer Kirche wird für das Wohl, die sichere Rückkehr der Soldaten und den Sieg gebetet. Es werden Kriegsgebetsstunden abgehalten.

Hanni Gallé, Walter und Else Löwenberg (ca. 1915)
Hanni Gallé, Walter und Else Löwenberg (ca. 1915)
„Urlaub daheim“, Hanni Gallé, Robert Brubacher und Else Löwenberg (ca. 1916)
„Urlaub daheim“, Hanni Gallé, Robert Brubacher und Else Löwenberg (ca. 1916)

 Der Heimaturlaub ist ein Sehnsuchtsmoment für die Weierhöfer Soldaten und ihre Familien. In den Tagebüchern wird ausführlich beschrieben, wie sehnsüchtig der Heimaturlaub erwartet wird, wie groß die Enttäuschung ist, wenn er nicht genehmigt wird, und wie viel Freude es bereitet, schließlich wieder am Gemeinschaftsleben teilzunehmen – sei es im einfachen Beisammensein, bei Familienfeiern oder durch den Besuch von Gottesdiensten. Erinnerungsfotos entstehen, um diese wertvollen Momente festzuhalten.

Weierhöfer Soldaten auf Heimaturlaub (ca. 1915)
Weierhöfer Soldaten auf Heimaturlaub (ca. 1915)
„Stillgestanden zum Spaß“ – Johannes Jakob und Albert Krehbiel (ca. 1915)
„Stillgestanden zum Spaß“ – Johannes Jakob und Albert Krehbiel (ca. 1915)

Briefverkehr

Es herrscht reger Postverkehr zwischen den Soldaten an der Front und dem Weierhof. Zahlreiche Briefe und Karten werden an die Soldaten verschickt, und die Daheimgebliebenen erhalten regelmäßig Nachrichten von der Front.

L. [Liebe] Else!

Für die schöne Karte vielen Dank. Wegen Stoffmangel kann ich leider deinen Wunsch betreff eines Briefes nicht erfüllen; da musst du dich noch ein bisschen gedulden. Am Mittwoch ging ein großer Transport unseres Ers.Bat. [Ersatz-Bataillons] ab. Wir Einj. [Einjährigen], die wir in Ham. [Hammelburg] waren, wurden zur weiteren Ausbildung zurückbehalten. Nur ungern schieden wir voneinander, doch hoffen wir uns draußen wiederzutreffen. – Wie denkt ihr auf dem W. [Weierhof] über die neuen Maßnahmen des Admiralstabs? Ich sehe mit großer Erwartung dem 18. Febr. entgegen. Allen l. [lieben] Weierhöfern, bes. [besonders] aber dir u. [?] viele herzl.[herzliche] Grüße
Metz, den 14. Febr. 1915.

Dein AKrehbiel.

Longwy - Französisches Tor, jetzt deutsches Tor
Longwy - Französisches Tor, jetzt deutsches Tor
Feldpostkarte von Albert an Else (14. Februar 1915)
Feldpostkarte von Albert an Else (14. Februar 1915)

Neben dem Austausch von Neuigkeiten ist es besonders wichtig, zu erfahren, wer sich wann, wo befindet oder wen man an der Front getroffen hat, um letztendlich Gewissheit zu erhalten, dass die Liebsten noch am Leben sind. Für die Soldaten an der Front ist das Schreiben von Briefen und Postkarten zugleich ein wichtiger Zeitvertreib. Albert tauscht sich auf diesem Weg auch über Gelesenes aus, etwa über Bücher oder über Artikel➚ aus der damals beliebten Liller Kriegszeitung.

„Von einem gemütlichen Zusammensein“, Karte von Else Löwenberg an Hans Neff (14. Juli 1916)
„Von einem gemütlichen Zusammensein“, Karte von Else Löwenberg an Hans Neff (14. Juli 1916)

An der sogenannten Heimatfront werden die Menschen generell dazu aufgefordert, so intensiv wie möglich mit den Soldaten in Kontakt zu bleiben und damit ihren Beitrag zur moralischen Unterstützung zu leisten. Albert erwähnt diesbezüglich, dass er zu seinem Geburtstag 20 Briefe und Karten erhalten hat, „vom Weierhof allein aus neun Häusern.“ Auch über den Familienkreis hinaus wird die Öffentlichkeit ermutigt, mit den Soldaten in Verbindung zu treten und vor allem „keine Jammerbriefe“ aus der Heimat zu schicken.

Die Soldatenkommission der Konferenz der Süddeutschen Mennoniten gibt Adressenverzeichnisse mit Adressen von mennonitischen Soldaten heraus und sammelt Geld um „unseren Brüdern geistlich stärkende Literatur, unsere Gemeinschaftsblätter sowie auch kleine Liebesgaben, vornehmlich Schokolade und Zigarren, mehrfach gewünschte Unterkleidung und Bedarfsgegenstände gesendet.“ Aber auch Lebensmittelpakete werden vom Weierhof an die Soldaten geschickt, erstaunlicherweise auch mit frischen Produkten wie Kuchen und Obst, und sie erreichen tatsächlich die Soldaten an der Front.

Der Krieg bringt aber auch mit anhaltender Dauer immer mehr Sorgen und Ängste um die Familienmitglieder mit sich. Es treffen Nachrichten über Vermisste, Verwundete oder in Gefangenschaft geratene Soldaten sowie Tote ein und machen die Härte des Krieges für das Dorf immer mehr spürbar.

Feldpostkarte zurück
Postkarte an Else von einem Kriegsgefangenen
Todesmitteilung Ernst Göbel

Die mennonitische Gemeinschaft

1916 sind etwa 15% der Gemeindeglieder der deutschen Mennonitengemeinden im Kriegsdienst. Trotz bestehender Gesetze, wie der königlichen Kabinettsorder vom 3. März 1868 in Preußen, die Mennoniten erlaubt, als Fahrer, Handwerker oder Krankenwärter zu dienen, stellt 1916 der Christliche Gemeinde-Kalender, herausgegeben von der Konferenz der Süddeutschen Mennoniten, selbstzufrieden fest: „Aber schon in den letzten Friedensjahren ist von dieser Berechtigung immer weniger Gebrauch gemacht worden und als der Krieg ausbrach, standen weitaus die meisten unserer wehrfähigen Brüder mit Begeisterung zu Streit gegürtet, und viele Freiwillige boten ebenfalls ihren Arm dem Vaterlande dar.“

Die bedingungslose Unterstützung des Krieges und des Kaiserreichs seitens der süddeutschen Mennonitengemeinden ist eindeutig. Die Leserschaft wird aufgefordert zur Finanzierung des Krieges Kriegsanleihen zu kaufen: „Es ist unsere Pflicht an Mitteln beizusteuern soviel wir können; wer zeichnen könnte und tut es nicht, handelt unrecht, er begeht gewissermaßen Verrat am Vaterlande.“ Friedensverhandlungen werden gemäß der staatlichen Kriegspropaganda als „diktierten Frieden“ angesehen. „Dieser Frieden würde bedeuten, dass wir auf Generationen unseren Feinden zinsbar wären. Vergeblich wären die Ströme von Blut geflossen, vergeblich all die Opfer, die von Jünglingen und Männern unseres Volkes in hingebender Liebe und Treue für das Vaterland auf den Schlachtfeldern gebracht wurden. Vergleich auch die finanziellen Opfer, die der Krieg schon verschlungen hat. Wir können gar nicht anders als weiterkämpfen bis unsere Feinde zur Einsicht kommen, dass sie uns den Sieg nicht mehr entreißen können. […] Das Ringen auf den Kriegsschauplätzen lässt uns noch kein Ende des Krieges, sehen. Landauf, landab gibt es jetzt viele Kritiker, Leute, die alles besser wissen. Wir wollen uns von diesem unfruchtbaren und unchristlichen Treiben nicht anstecken lassen. Desto mehr wollen wir anhalten am Gebet für unsere Obrigkeit, für unser ganzes Volk daheim im Feld. Möge der Herr uns nur ferner gnädig sein und sich ferner unserer erbarmen.“

Christlicher Gemeinde-Kalender 1916
Buch der Mennonit, Trauerspiel

Des weiteren äußert man sich besorgt darüber, dass das Stück Der Mennonit, ein Theaterdrama des deutschen Schriftstellers Ernst von Wildenbruch (1845–1909), wieder auf deutschen Bühnen gespielt wird. Das Stück behandelt die Themen Loyalität und Glauben, indem es die Geschichte eines Mennoniten in Preußen erzählt, der zwischen seinem pazifistischen Glauben und den Pflichten gegenüber seinem Land hin- und hergerissen ist. Da man nicht in die Nähe von „Vaterlandslosigkeit und Pflichtvergessenheit“ gerückt werden möchte, betreibt man aktiv die Absetzung des Stückes. Während man in Städten wie Berlin und Hannover erfolgreich ist, in letzterem Fall dank des königlichen Polizeipräsidenten, der selbst Mennonit ist, bleibt die Eingabe der „dortigen Brüder“ in München leider ohne Erfolg. „Hoffentlich gelingt es nach dem Krieg vereinten Bemühungen, dass unsere Gemeinschaft verunglimpfende Stück endgültig von der Bühne verschwinden zu lassen.“

Der Krieg ist vorbei

Der Krieg endet offiziell am 11. November 1918 mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands. Die deutschen Truppen marschieren daraufhin aus den Frontgebieten in Belgien und Frankreich zurück in die Heimat oder werden per Eisenbahn transportiert.

Zunächst geht es in die Kasernen und Sammelstellen, wo sie offiziell aus dem Militärdienst entlassen werden. Die Soldaten geben ihre Waffen und Uniformen ab, erhalten oft ein kleines Entgelt und kehren dann in ihre Heimatorte zurück. Die Enttäuschung über die Niederlage und die Rückkehr ins zivile Leben stellen inmitten massiver politischer, wirtschaftlicher und sozialer Umbrüche – vom Ende des Kaiserreichs bis zur Gründung der Weimarer Republik im August 1919 – eine große Herausforderung dar.

Kriegserinnerungen

Die Verstorbenen leben weiter in der Erinnerung der Angehörigen, ihren Briefen und Fotografien und in den Tagebüchern, die nach dem Tod der Soldaten an die Familien zurückgeschickt werden. 

Die Mennonitengemeinde Weierhof hat im Krieg 21 Mitglieder verloren.

Die Predigt von Pfarrer Christian Neff ➚ zum Totensonntag am 23. November 1919 über Johannes 12, 24-25 ist ein Beispiel für religiös-patriotisch motivierten Trost und Sinnstiftung in den Nachkriegsjahren. Christian Neff verbindet die Trauer über die gefallenen Brüder mit der christlichen Perspektive des Glaubens und der Hoffnung auf das ewige Leben.  Er erinnert an die vielen gefallenen Soldaten, die ihr Leben für das Vaterland gaben. Ihr Opfer wird  nicht hinterfragt, vielmehr wird der massive Verlust an Menschenleben als Teil eines göttlichen Plans gedeutet. Der Niedergang der alten Ordnung wird beklagt, während eine kritische Auseinandersetzung mit der politischen Verwantwortung für den Krieg an dieser Stelle ausbleibt.

„Unser Volk trauert um seine Toten. Millionen liegen erschlagen auf den Schlachtfeldern, Tausende sind durch Krankheit, Hunger und Entbehrung dahingerafft. Wie sind die Helden gefallen und die Streitbaren umgekommen! Sie gaben ihr junges blühendes Leben dahin für unser teures, vor kurzem noch so großes, mächtiges und glückliches, nun aber so armes, ohnmächtiges und unglückliches Vaterland. […] Unsere Toten gehören Gott und Christo Jesu, ihrem Herrn und Heiland, der für sie gestorben und auferstanden ist und hat Leben und unvergängliches Wesen Licht gebracht. Sie sind am Ziel, wir unterwegs.“

Christian Neff Ca. 1910
Christian Neff (ca. 1910)
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